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Helfen Apps gegen Depressionen?

Die Bandbreite der digitalen Angebote ist groß. Doch einige Programme schaden mehr, als sie nützen. Manche haben sich auch als Helfer bewährt
von Lisa Meyer, aktualisiert am 21.04.2017

Apps gegen Depressionen können unter Umständen als Hilfsmittel dienen

plainpicture GmbH & Co KG/Katarzyna Sonnewend

Die Botschaft prangt in dicker, schwarzer Schrift auf der Webseite: "Robert Enke konnten wir nicht retten. Dich schon." Retten will die Robert-Enke-Stiftung Menschen, die an einer Depression leiden. Mit einer App.

Nachdem er sechs Jahre lang wegen einer depressiven Erkrankung in Behandlung war, nahm sich der Torwart Robert Enke 2009 das Leben. Gemeinsam mit seiner Witwe Teresa Enke gründete der Deutsche Fußball-Bund daraufhin die Stiftung. Die Enke-App soll ein "weitreichendes Hilfsangebot" für andere Betroffene sein. Ihr Kernstück: ein SOS-Knopf, der einen Hilferuf an einen Dienstleister oder an Freunde sendet.


Große Vielfalt an Apps

Ob die App verlässlich helfen kann, ist noch unklar – so wie bei zahlreichen anderen Apps dieser Art. Sie bieten die unterschiedlichsten Dienste: Depressionstests, digitale Tagebücher, Anleitungen zu Achtsamkeitsübungen.

Die App-Flut hat einen Grund: eine Menge potenzieller Nutzer. Nach Angaben der Deutschen Depressionshilfe erkranken jedes Jahr rund fünf Millionen Deutsche an einer behandlungsbedürftigen Depression. Die Wartezeit auf einen Termin bei einem Facharzt oder Psychotherapeuten ist lang. Bleiben Betroffene über Monate ohne Hilfe, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Leiden verschlimmert. Die Behandlungslücke sollen Apps und andere sogenannte Internet-Interventionen füllen. Sie sind orts- und zeitunabhängig, niedrigschwellig, anonym. Aber helfen sie auch?

Möglichkeit, um bisher Unerreichte zu erreichen

"Ja. Sogar beeindruckend gut", sagt Dr. Philipp Klein, Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Uniklinikums Schleswig-Holstein. Das gelte jedoch nur für wenige Online-Programme, die auf psychotherapeutischen Techniken basieren. Drei Beispiele:


Beispiele bewährter Programme

Deprexis: von Psychotherapeuten mitentwickelt, wird regelmäßig von Therapeuten geprüft. Kostenpflichtig.
MoodGym: von der Australischen Nationaluniversität entwickelt. Kostenlos.
GetOn: Kostenfrei im Rahmen einer Studie, entwickelt von den Unis
Lüneburg, Erlangen und Amsterdam.


Klein: "Eine Reihe von Studien zeigt, dass diese Interventionen ähnlich wirksam sind wie klassische psychotherapeutische Behandlungen." Vielleicht könne man über Online-Programme Menschen ansprechen, die man bisher nicht erreicht hat – "weil diese sich nicht trauen, professionelle Hilfe zu suchen, oder weil der nächste Therapeut zu weit weg ist".

Vorsicht vor zu großen Erwartungen

Doch es existieren auch viele unausgereifte Anwendungen. Zuverlässige Qualitätsstandards oder Zertifikate fehlen. Professor Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Uniklinikums Leipzig, kritisiert: "Den Betroffenen darf man nicht einreden, dass es mit einer App alleine getan ist. Bei einer Depression handelt es sich um eine lebensgefährliche Erkrankung, keine Befindlichkeitsstörung."


Hegerls Meinung nach können die Angebote nur eine Ergänzung zur Begleitung durch einen Therapeuten oder Hausarzt darstellen. In akuten Krisen und bei Suizidgedanken, wenn alle Programme an Grenzen stoßen, kann sonst niemand eingreifen.

Apps ohne Wirkung schüren eventuell die Verzweiflung

Nicht nur in Grenzsituationen können Online-Interventionen schaden, sondern auch, wenn sie wirkungslos bleiben. "Depressive Patienten sind oft sehr pessimistisch, was die Behandelbarkeit ihrer Erkrankung betrifft", sagt Klein. "Angebote, die ihnen nicht helfen, verstärken die Hoffnungslosigkeit und verhindern möglicherweise, dass sie sich weitere Unterstützung suchen."




Bildnachweis: plainpicture GmbH & Co KG/Katarzyna Sonnewend

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