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Hirsutismus: Störende Körperhaare

Sprießt bei Frauen ein Bart oder treten vermehrt Haare an Brust, Rücken und Beinen auf, sind eventuell Hormonstörungen der Grund. Wie Ärzte den Betroffenen helfen
von Christian Krumm, 17.05.2017

Lästig: Bei starker Körperbehaarung ist eine häufige Rasur nötig

ddp Images/Senior Images

Bartwuchs liegt voll im Trend – allerdings nur bei Männern. Wenn bei Frauen Haare auf der Oberlippe oder an den Wangen sprießen, fühlen sich die Betroffenen mitunter regelrecht entstellt. Bis zu fünf Prozent aller Frauen in Deutschland haben Schätzungen zufolge damit zu kämpfen. Dass es sich tatsächlich um ein häufiges Problem handelt, bestätigt Professor Matthias Weber, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. "Wie hoch der Leidensdruck wirklich ist, hängt oft von der persönlichen Einschätzung der Frau ab. Und schließlich fällt ein weicher, hellerer Flaum weniger auf als kräftige, dunkle Haare."

Ursache des Haarwuchses zwischen Mund und Nase sowie an geschlechtsspezifischen Körperarealen wie etwa der weiblichen Brust sind in erster Linie männliche Sexualhormone: die Androgene. Grundsätzlich produziert auch der weibliche Körper geringe Mengen davon.

Diagnose Hirsutismus
Der Damenbart kommt selten allein. Eine erhöhte Androgenkonzentration beeinflusst auch die Behaarung an anderen Körperstellen. Mediziner sprechen dann von Hirsutismus.
Neun Körperareale werden im Rahmen der Hirsutismus-Diagnostik begutachtet und bewertet.
Mit bis zu vier Punkten wird die Intensität der Behaarung jedes der neun Areale angegeben. Zusammengezählt ergibt sich daraus der Gesamtwert. Bereits bei sechs bis acht Punkten liegt die Diagnose Hirsutismus vor.

Die neun Areale sind:

  • Oberlippe
  • Kinn
  • Oberarm
  • Brust
  • Oberbauch
  • Unterbauch
  • Oberschenkel
  • Oberer Rücken
  • Unterer Rücken

Ein Übermaß an Androgenen

Erst wenn deren Konzentration das normale Maß übersteigt, beginnt der Körper, auch bei Frauen an mitunter sehr prominenten Stellen das Haarwachstum zu stimulieren. Experten sprechen dann von Hirsutismus. Nicht selten geht eine solche Entwicklung einher mit Haarausfall auf dem Kopf, unreiner Haut oder einem unregelmäßigen Zyklus.

Ernste Ursachen wie Störungen der Nebennieren oder der Hirnanhangsdrüse sowie Tumore stecken äußerst selten dahinter. Dennoch sollten insbesondere plötzliche Veränderungen der Behaarung von einem Facharzt für Endokrinologie untersucht werden. Der Hormonspezialist kann feststellen, ob eine Grunderkrankung vorliegt, und diese gezielt behandeln.

Hormonstörung oder Nebenwirkung von Medikamenten?

Geeignete Ansprechpartner sind aber auch Hautärzte und Gynäkologen. Denn in vielen Fällen löst eine typische Frauenerkrankung den untypischen Haarwuchs aus: Beim polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS) bilden sich Veränderungen an den Eierstöcken, die dadurch im Lauf der Zeit zunehmend mehr männliche Sexualhormone produzieren. Warum das so ist, konnte bislang nicht vollständig geklärt werden. Betroffen von PCOS sind vorrangig jüngere Frauen.

Vereinzelt können auch Medikamente zu dem Problem führen, beispielsweise Hormonpräparate, Kortikoide oder Mittel zur Unterdrückung der Abwehr (Immunsuppressiva). "Meistens verursachen diese Mittel dann keinen klassischen Hirsutismus, sondern eine Hypertrichose", sagt Endokrinologe Weber. Bei dieser Erkrankung wird verstärkt weiches Flaumhaar in dickeres Haar umgewandelt.

Oft finden Ärzte keine krankhafte Ursache

In den meisten Fällen können Ärzte aber keine Ursache für den lästigen "Damenbart" finden. Dann liegt die Vermutung nahe, dass die Haarfollikel bereits auf eine normale oder eine grenzwertige Androgenkonzentration reagieren.

Das könnte genetisch bedingt sein. In der Regel entwickelt sich die unerwünschte Behaarung dann langsam über einen längeren Zeitraum – meist familiär gehäuft. Manchmal setzt auch in den Wechseljahren plötzlich ein ungewöhnlicher Haarwuchs ein, wenn die Menge der weiblichen Sexualhormone im Körper sinkt.

Eine tägliche Rasur kommt für viele Frauen nicht infrage. Was also tun? Manche Betroffene greifen zu Enthaarungscremes, deren Effekt aber nur wenige Tage anhält, bevor sich wieder Stoppeln zeigen. Zudem können die Inhaltsstoffe die Haut reizen.

Wachs, Laser oder Creme

Einen längerfristigen Erfolg verspricht die Wachsepilation. Sie sollte möglichst in einem professionellen Kosmetikstudio durchgeführt werden. Wichtig: hinterher eine beruhigende Creme auftragen, beispielsweise mit Dexpanthenol. Dazu berät man Sie gerne in ­Ihrer Apotheke.

Viele Hautärzte bieten Behandlungen mit Laser oder Blitzlampen an. Die hohe Lichtenergie schwächt die Haarfollikel. Meistens sind mehrere Sitzungen erforderlich. Eine dauerhafte Haarentfernung kann allerdings auch mit diesen Methoden nicht garantiert werden – in der Regel muss die Therapie alle drei Monate wiederholt werden.

Alternativ kann der Arzt eine Creme mit dem Wirkstoff Eflornithin verschreiben. Dieses Mittel hemmt – zweimal täglich über mehrere Monate aufgetragen – das Haarwachstum. Allerdings hilft das Präparat nicht allen Frauen gleich gut. Eine von drei Anwenderinnen profitiert kaum davon. Für kleine Areale im Gesicht ist die Creme aber für viele eine praktische Alternative, um den lästigen Damenbart endlich loszuwerden.



Bildnachweis: ddp Images/Senior Images

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