banner.gif
  • Apothekerin Katrin Borkenhagen e.Kfr.
  • Wilsdruffer Str. 5
  • 01067 Dresden

Risiken von gefälschten Medikamenten

Weltweit ist jedes zweite im Internet angebotene Arzneimittel eine Fälschung. Das kann für den, der die Tabletten einnimmt, fatale Folgen haben
von Christian Andrae, aktualisiert am 18.05.2017

Erwischt: Von Zollbeamten beschlagnahmte Arzneimittel

dpa Picture-Alliance GmbH/Malte Christians

Sie nannten sich selbst "Pillendienst" und machten mit gefälschten Arzneien in kürzester Zeit einen Umsatz von mehr als 20 Millionen Euro. In rund 1000 ­Internetshops bot das Konglomerat aus Strohmännern und Tarnfirmen Potenzmittel und Schlankmacher an. Nach jahrelangen Verhandlungen fand nun eines der ­europaweit bislang größten Strafverfahren gegen eine Medikamentenfälscher-Bande vor dem Landgericht Potsdam ein Ende. Die Täter wurden zu Haftstrafen von bis zu fünfeinhalb Jahren verurteilt.

Die Arzneimittelkriminalität nimmt weiter zu

Der Fall steht exem­plarisch für einen gefährlichen Trend. Die Arzneimittelkriminalität nimmt weltweit zunehmend größere Ausmaße an: Jedes zweite im Internet angebotene Medikament ist heute eine Fälschung. Das ergab ein internationales Forschungsprojekt unter Leitung des Rechtswissenschaftlers Professor Arndt Sinn von der Universität Osnabrück. Unter anderem waren daran die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) und das Bundeskriminalamt beteiligt.

Für Sinn liegen die Gründe für den wachsenden Markt der Medikamentenfälschung auf der Hand: "Die Anreize für Kriminelle sind größer als bei Drogen. Das Entdeckungsrisiko ist relativ gering, und die Gewinnspannen sind sehr hoch." Zudem könnten Wirkstoffe, Pillenpresse und Verpackungsmaschinen dem Experten zufolge "ohne Probleme und Angst vor Verfolgung" beschafft werden.

Welche Substanzen in den Fälschungen stecken, weiß keiner

Oder die Krimi­nellen bestellen gleich fertige Tabletten aus Asien – in ihrer Wunschfarbe und -form, mit bestimmten Stempeln und Verpackungen. Was aber letztendlich drinsteckt, weiß niemand. Für den, der das Medikament einnimmt, kann das fatale Folgen haben.

Die Tabletten des "Pillendienstes" enthielten meist gar keinen Wirkstoff. In diesem Fall war das auch gut so: Das schnelle Geld witterte die Bande bei Lifestyle-Produkten, die schöner, schlanker und potenter machen sollen – laut aktueller Zollstatistik das Gros der gefälschten Pillen. Fehlen darin Wirkstoffe, gefährdet das zumindest nicht zwingend die Gesundheit.

Lebensgefährliche Konsequenzen

Bei wirkungslosen Blutdrucksenkern oder HIV-Präparaten sieht das natürlich anders aus. Gefährlich wird es auch, wenn Dosierung und Zusammensetzung der enthaltenen Stoffe nicht stimmen. Beides kann für den Verbraucher im schlimmsten Fall tödlich enden.

Der Schaden durch Betrüger betrifft aber nicht allein die Patienten, er zieht weite Kreise. Zum einen leidet das Image der Hersteller der echten Arzneien unter wirkungs­losen oder schädlichen Fälschungen. Zum anderen schwindet laut Rechtswissenschaftler Sinn auch das Ansehen seriöser Online-Apotheken – und der Glaube der Verbraucher an die Korrektheit der Angebote.

Bei Online-Apotheken auf eingehaltene Rezeptpflicht achten

Vertrauenswürdige Online-Apotheken müssen zwar seit 2015 ein bestimmtes grünes Sicherheitslogo mit der Aufschrift "Zur Überprüfung der Legalität dieser Webseite hier klicken" in ihrem Internet-Auftritt verwenden. Jedoch warnt der Experte Sinn, dass Fälscher auch solche Siegel imitieren. 

Eines der wichtigsten Indizien für eine seriöse Online-Apotheke ist laut Arndt Sinn nach wie vor das Einhalten der Rezeptpflicht – auch bei aus­­ländischen Versandapotheken. "Wenn sich jemand nicht daran hält, handelt es sich im Zweifel um eine falsche Apotheke."

Auf der sicheren Seite

Unseriöse Online-Apotheken lassen sich folgendermaßen von seriösen unterscheiden: Wichtiger Anhaltspunkt ist ein Impressum. Es sollte den Namen der Apotheke, des Inhabers, dessen Berufsbezeichnung, Anschrift, Telefonnummer und die zuständige Aufsichtsbehörde aufführen.

Wer auf Nummer sicher gehen will, kauft Arzneien in seiner Apotheke vor Ort. Der Apothekennotdienst ist rund um die Uhr für Sie da. Und ist das verordnete Medikament einmal nicht vorrätig, kann es innerhalb weniger Stunden beschafft werden.

Weil viele medikamentöse Therapien erklärungsbedürftig sind, ist die persönliche Beratung vor Ort in den meisten Fällen auch durch die beste Hotline nicht zu ersetzen.




Bildnachweis: dpa Picture-Alliance GmbH/Malte Christians

Lesen Sie auch:

Gefälschte Arzneimittel: Kann man sich schützen? »

3,9 Millionen gefälschte Medikamente hat der Zoll 2015 sichergestellt. Wie Politik, Industrie und Apotheker dagegen vorgehen wollen, wie sich Verbraucher schützen können »

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Haben Sie schon einmal versucht, sich das Rauchen abzugewöhnen?

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages